Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Information zu Werken

Auf dieser Seite möchten wir Ihnen Hintergrundinformationen vermitteln über Werke, die wir nächstens in der Kirche singen oder die zu unserem Repertoire gehören. Unsere Dirigentin forscht unermüdlich nach geeigneter Literatur und hat schon einige hier praktisch unbekannte Werke entdeckt und mit uns einstudiert.

 

Lajos Bardos: Missa Tertia

Der ungarische Dirigent, Komponist und Musikpädagoge Lajos Bardos (1899-1986) studierte in Budapest bei Zoltan Kodaly und Albert Siklos. Bereits wenige Jahre nach seinem Studienabschluss 1925 wurde er selbst an diese Musikhochschule als Professor für Harmonielehre, Musiktheorie und Musikgeschichte berufen. Er lehrte dort von 1928 bis 1968.

Er komponierte vor allem geistliche und weltliche Chorwerke, sowohl für Chöre a- cappella als auch für Chor und Orchester. Er orientierte sich dabei vornehmlich am gregorianischen Gesang, der ungarischen Volksmusik, der klassischen Polyphonie nach dem Vorbild von Palestrina sowie an den anderen großen zeitgenössischen ungarischen Komponisten. Daneben schuf er Bühnenwerke, Oratorien, Messen, Motetten und Psalmvertonungen, aber auch Instrumentalmusik.

Seine Missa Tertia für vierstimmigen gemischten Chor und Orgel, geschrieben 1944, ist eine Missa brevis, also ohne Credo. Als melodische Vorlage nimmt der Komponist alte Gesänge der katholischen Liturgie, gregorianische Choräle. Diese Rückkehr zu alten Quellen ist bei Komponisten des 20. Jh. oft zu beobachten. Sie steht für die Suche nach neuen Wegen: Musik in der Kirche soll nicht nur zum "Hören", sondern auch zur Besinnung,zum "Beten" führen.

 

José de Nebra: Misa breve à 8

Der spanische Komponist und Organist José de Nebra (1702-1768) entstammte einer aragonesischen Musikerfamilie. Seine musikalische Ausbildung erhielt er von seinem Vater. Bereits 1719 hatte er die Stelle des Organisten am Königlichen Kloster der Descalzas Reales in Madrid inne. Er wurde zu einem der wichtigsten Komponisten der beiden Madrider Schauspieltruppen.

Nach dem Brand des Königspalastes wurde Nebra beauftragt, das vernichtete Archiv der Hofkapelle für den liturgischen Gebrauch zu ersetzen.

Als ab 1738 auch italienische Opern – in italienischer Sprache – in Madrid aufgeführt wurden, widmete sich Nebra vermehrt der Gattung der Zarzuela, einer Art Operette.

1751 wurde er zum vicemaestro der Capilla Real und stellvertretendem Rektor des Colegio de niños cantores (der Chorknaben) ernannt. Diese Ämter dürften ihn dazu veranlasst haben, sich in den 1750er Jahren überwiegend der Komposition geistlicher Werke zu widmen. Er schrieb unter anderem 24 Messen für 8 Stimmen. Das umfangreiche kirchenmusikalische Schaffen Nebras entspricht überwiegend der zweichörigen Aufführungspraxis der Madrider Hofkapelle mit konzertierenden Instrumenten.

Die wenigen überlieferten Werke für Tasteninstrumente dürften wahrscheinlich nach 1761 entstanden sein. Da D. Scarlatti von 1728 bis zu seinem Tod 1757 am spanischen Hof lebte, ist zu vermuten, dass Nebra nicht nur dessen Werke kannte, sondern es auch zu persönlichen Begegnungen kam.

José de Nebra war der bedeutendste spanische Komponist in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Viele seiner Werke sind jedoch verloren gegangen oder nur unvollständig überliefert.

 

Missa brevis in G von Amadeus Mozart

Mozart schrieb die Missa brevis in G für Soli, Streicher und Orgelcontinuo. Der Begriff Missa brevis (lat. „kurze Messe“) bezeichnet in der Musik die Vertonung des gesamten Messordinariums (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus, Agnus Dei) in betont knapper Weise mit Rücksicht auf die Gesamtlänge des Gottesdienstes.

Diese Messe entstand wahrscheinlich im Herbst 1768 in Wien, wurde also vom 12-jährigen Wunderkind komponiert. Wie kam der Knabe zu dieser Vertonung? Sein Vater Leopold Mozart, der berühmte Komponist und Theoretiker, stand seit 1757 als Hofkomponist in den Diensten des Erzbischofs Sigismund Christoph Graf von Schrattenbach. Leopold liess seinen Sohn Wolfgang bewusst am eigenen beruflichen Wirken teilhaben, traten doch bereits in den ersten Lebensjahren des Knaben Anzeichen einer phänomenalen musikalischen Frühbegabung zu Tage. Da der junge Wolfgang so schon früh den polyphonen Ämtern der Salzburger Kirchen beiwohnte, lernte er rasch das umfangreich kirchenmusikalische Repertoire der Salzburger Lokaltradition und der süddeutschen Klöster kennen. In seinem unmittelbaren geographischen Umfeld vollzog sich damals in wechselseitiger Befruchtung der deutschen und italienischen Musica sacra eine Synthese von „gelehrtem“ und „galantem“ Stil bzw. von barocker Tradition und elegantem Rokoko. Angesichts der Vielfalt der auf den jungen Wolfgang einwirkenden stilistischen Einflüsse verwundert es nicht, dass er diese in seinen ersten Messen vereint hat, wobei freilich von Anfang an ein persönlicher Ausdruck durchschimmert.

 

C. Gounod (1818-1893): Messe brève no.5 aux séminaires

Charles François Gounod stammte aus einer Künstlerfamilie. Sein Vater war Maler, seine Mutter Pianistin und ausgezeichnete Musikerin. Sie gab Gounod schon früh Musikunterricht, wollte ihren Sohn aber anfangs nicht zum Musiker ausbilden lassen. Als ihr aber sein ausserordentliches Talent vom Direktor des Lycée, das Gounod besuchte, attestiert wurde, änderte sie ihre Meinung. 1836 wurde Gounod am Pariser Conservatoire aufgenommen. Neben Rossini, Mozart, Bach und Beethoven hatte Berlioz entscheidenden Einfluss auf ihn.

Er reiste nach Italien, um die Musik der alten Meister, v.a. Palestrinas, kennenzulernen. Zurück in Paris wurde er Kirchenkapellmeister und Organist. Schliesslich wandte er sich der Opernkomposition zu; seine Oper "Faust" (auch unter dem Titel "Margarethe") wurde ein grosser Erfolg.

Sehr bekannt ist Gounods Komposition "Médiation sur le 1er prélude de Bach", die auf dem Präludium Nr. 1 in C-Dur aus Bachs Wohltemperiertem Klavier beruht und von Gounod mit dem Text des lateinischen Ave Maria versehen wurde.

Die Messe brève no. 5 aux séminaires (Original in C), die der Kirchenchor singt, ist eine der dreizehn Messen des tiefreligiösen Gounod. Als wir im Kirchenchor mit ihrer Erarbeitung begonnen hatten, konnten wir uns noch nicht vorstellen, wie viel Freude sie uns bereiten würde. Original ist die Messe mit Orgelbegleitung versehen. Auf Veranlassung unserer Dirigentin ist eine Version mit begleitendem Streichquartett entstanden – eine wunderbare Variante und eine Bereicherung unseres Repertoires. An hohen kirchlichen Feiertagen werden wir die Messe im festlichen Vortrag mit Streichquartett singen, sonst mit Orgelbegleitung.

Sie können beim Chor die ausgeschriebenen Stimmen für Streichquartett gegen eine bescheidene Gebühr ausleihen. Wenden Sie sich an die Dirigentin Tetyana Polt (polt.lutsenko@vtxmail.ch).

 

D. Buxtehude (1637-1707): Kantate "Kommst Du, Licht der Heiden"

Eine Kantate von D. Buxtehude im Gottesdienst zu singen, ist für den Kirchenchor etwas Ausserordentliches. Das liegt auch in der unterschiedlichen liturgischen Praxis der katholischen und protestantischen Kirche: was für erstere an Sonn- und Feiertagen die gesungene Messe ist, ist für letztere die Kantate. Die grossen Komponisten von Kirchenkantaten sind Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Dieterich Buxtehude (1637-1707).

Das steigende Interesse an alter Musik und historisch orientierter Aufführungspraxis ermöglicht fast das ganze Jahr den Besuch von entsprechenden Konzerten, wie den bekannten, schönen Abendmusiken in der Predigerkirche. Zum 1. Advent 2016 will der Kirchenchor diesem Interesse folgen und als kleinen Beitrag die Kantate "Kommst Du, Licht der Heiden" von Buxtehude aufführen, welche unsere Dirigentin Tetyana Polt ausgewählt hat. Mit einer dreistimmigen Besetzung und angenehmer Länge soll sie den Gottesdienst bereichern und für Kirchgänger und Chor ein Genuss sein.

Dieterich Buxtehude war Organist an der Marienkirche in Helsingborg, Dänemark. Später erhielt er die prestigeträchtige Anstellung in der Marienkirche in Lübeck. Er baute die bestehenden Abendmusiken zu aufwändigen geistlichen Konzerten aus. 1705 legte Johann Sebastian Bach die mehr als 400 Kilometer von Arnstadt (Thüringen) nach Lübeck zu Fuß zurück, um sein musikalisches Vorbild Buxtehude zu hören, und nahm vermutlich Unterricht bei ihm.

Buxtehude unterhielt viele Kontakte mit Musikerkollegen sowie mit dem königlichen Kapellmeister Gustav Düben in Stockholm. In einem kürzlich gefundenen Brief (dessen Herkunft noch nicht vollständig geklärt ist) an Düben schreibt Buxtehude: "Sie bitten mich, Ihnen noch weitere concerti aus meiner feder zu senden. Eben habe ich für due canti e basso con 5 viole in tempore adventum Kommst du, licht der heiden fertiggestellt und schicke dies mit dieser Post nach Stockholm, nicht ohne einen süssen gruss aus der Backstube meines Weibes, ein altes recepte von martzapan …" (zitiert mit freundlicher Genehmigung aus dem Programmheft der Abendmusik in der Predigerkirche vom 9.10.2016 mit Werken von D. Buxtehude).

Tetyana Polt, Andreas Keller

 

Giuseppe Ottavio Pitoni (1657-1743): Laudate Dominum in Sanctis Eius

Pitoni war als Komponist geistlicher Musik und als Didaktiker zu seinen Lebzeiten sehr berühmt. Er war mehr als 60 Jahre lang einer der prominentesten römischen Kirchenkomponisten und hat eine außergewöhnlich große Zahl von Werken (mehr als 3.500 Sakralkompositionen) hinterlassen. Er wirkte seit 1674 am Dom von Assisi,  1676 war er als Kapellmeister am Dom von Rieti tätig und wechselte im folgenden Jahr an die Kollegiatskirche San Marco im Palazzo Venezia in Rom, wo er bis zu seinem Lebensende blieb.

 

Anton Bruckner (1824-1896): Messe in C / Windhaager Messe

Der österreichische Komponist, Organist und Musikpädagoge Bruckner kam durch seinen Vater, einen Dorfschullehrer mit kirchenmusikalischen Verpflichtungen und Aufgaben als Tanzbodengeiger, früh mit Musik in Kontakt. Mit 10 Jahren fungierte er bereits gelegentlich als Aushilfsorganist. Er schlug die Lehrerlaufbahn ein; als Schulgehilfe im Dorf Windhaagen hatte er aber bald Probleme mit seinem Vorgesetzten, da er zuviel komponierte und zu wenig seinen Pflichten nachkam. Aus dieser Zeit stammt die sog. Windhaager Messe (1842) für Altstimme, zwei Hörner und Orgel. Da sie in der liturgischen Praxis nicht gut verwendet werden konnte, wurde sie 1927 umgeschrieben in eine Fassung in C-Dur für vierstimmigen gemischten Chor, welche der Kirchenchor singt.

Obwohl sich Bruckner zunächst dem Lehrerberuf widmete, wurde die Musik für ihn immer wichtiger. Er perfektionierte sein Orgelspiel, was ihm die Stelle als Stiftsorganisten in St. Florian einbrachte. Er wurde Schüler des berühmten Wiener Musiktheoretikers Sechter. Der Unterricht fand meist in Briefform statt (!)

In einem Wettbewerb für die Nachfolge des verstorbenen Domorganisten in Linz konnte keiner seiner Mitbewerber mit ihm gleichziehen, sodass er die Stelle erhielt. Unermüdlich bildete er sich weiter, zog 1868 nach Wien um Nachfolger des verstorbenen Sechter zu werden. Er war als Orgelvirtuose äusserst erfolgreich. Als Komponist erregte er jedoch mit seinen Sinfonien das Missfallen damaliger Musikkritiker – er wurde als Nachahmer von Wagner angesehen. Erst mit seiner 4. Sinfonie und weiteren Werken konnte sich Bruckner ab 1881 wieder Respekt verschaffen. Obwohl sich sein Gesundheitszustand verschlechterte und er nach und nach seine Ämter aufgeben musste, komponierte er weiter an seiner 9. Sinfonie, der er seit 1887 nachgegangen war. Nur die ersten drei Sätze wurden fertig, der vierte blieb ein Fragment, da Bruckner am 11. Oktober 1896 starb.

Aus seinem Werk ragen die 11 Sinfonien hervor, dann Vokalmusik mit mehreren Messen und Motetten und weltliche Chorwerke, meist für Männerchor.

Andreas Keller (Kurzfassung eines Wikipedia-Artikels)